How-To: Underwater Photography

How-to: Unterwasserfotografie

Kamera Express

How to: Unterwasserfilmen

9 Tipps und Fakten für die schönsten Unterwasseraufnahmen

Worauf musst du achten, wenn du bewegte Bilder unter Wasser aufnehmen möchtest? Wie unterscheiden sich Vorbereitung, Drehtag und Nachbearbeitung beim Unterwasserfilmen vom Unterwasserfotografieren? Wir haben zwei professionelle Unterwasserfilmende gefragt: Peter van Rodijnen und Klaudie Bartelink von Dutch Maritime Productions. In dieser How-To-Serie geben sie dir 9 praktische Tipps für das Filmen unter Wasser.

Tipp 1: Wähle das richtige Unterwassergehäuse

Berücksichtige beim Kauf einer Kamera auch das Unterwassergehäuse. Die Auswahl an Videokameras ist groß, aber das Angebot an Unterwassergehäusen für Videokameras ist begrenzt. Ein Unterwassergehäuse kostet in etwa so viel wie die Kamera selbst. Du kannst mit deinem iPhone oder mit einer Action-Cam filmen. Eine weitere praktische und kostengünstige Lösung ist eine wasserdichte Kamera.

Kaufst du eine Fotokamera oder eine Videokamera? Je größer Kamera und Gehäuse sind, desto leichter lassen sich in ruhigem Wasser gleichmäßige Bewegungen ausführen. Auch Zoom und Autofokus funktionieren bei einer Videokamera besser als bei einer Fotokamera.

Ein Kameragehäuse ist ergonomisch oft nicht optimal für das Filmen aus der Hand, bietet aber andere Vorteile. Neben der Möglichkeit, Fotos zu machen, ist eine Kamera häufig leichter und damit über Wasser einfacher zu handhaben. Außerdem lassen sich kleine bodenlebende Tiere besser auf Augenhöhe filmen. Kameras mit Wechselobjektiven sind deutlich günstiger als Videokameras mit Wechselobjektiven.

Tipp 2: Pflege und überprüfe deine Ausrüstung so gründlich und so häufig wie möglich

Überprüfe deine Ausrüstung vor jedem Tauchgang sorgfältig und warte sie danach gründlich. Das klingt wie ein überflüssiger Rat, aber du glaubst nicht, wie viele Menschen das vergessen und dabei ihre eigene Ausrüstung ruinieren.

Wenn das Gehäuse nicht richtig abgedichtet ist, tritt Wasser ein – das gilt auch für Action-Cam-Gehäuse! Das wird oft etwas zu leichtfertig genommen. Es ist unbedingt notwendig, mit der Ausrüstung sorgfältig umzugehen, sonst wird das Hobby sehr teuer.

Wenn Salzwasser in deine Kamera gelangt, ist sie nicht mehr zu retten. Das ist schade und völlig vermeidbar.

Ein Gehäuse mit Vakuumsystem und Leckagealarm hat uns schon vor Schlimmerem bewahrt.

Spüle deine Ausrüstung nach jedem Tauchgang gründlich mit Süßwasser ab. Kontrolliere die Dichtungen auf Sand und Haare, und behandle die O-Ringe mit Silikonfett.

Lass dein Gehäuse regelmäßig von einem Fachbetrieb prüfen, oder suche online (z. B. in Foren) nach weiteren Tipps und Tricks zur Wartung.

Tipp 3: Behalte dich selbst und deine Kamera unter Kontrolle

Sorge dafür, dass du dich selbst und die Kamera unter Wasser unter Kontrolle hast. Um gut unter Wasser filmen und fotografieren zu können, musst du in der Lage sein, dich richtig zu trimmen – das heißt: im Wasser zu schweben. Lerne also zuerst richtig tauchen! In den Niederlanden gibt es überall gute Tauchkurse.

Achte darauf, dass du nicht nur vorwärtsschwimmen kannst, sondern auch schweben, rückwärtsschwimmen und saubere Drehungen ausführen kannst. Nimm genau so viel Trimmgewicht mit wie nötig.

Da du Tieren unter Wasser sehr nahe kommen kannst, lässt sich auch schnell unbeabsichtigt viel stören und zerstören. Denke immer daran, dass du „Gast“ im Revier wilder, aber auch verletzlicher Tiere bist (z. B. Korallen). Manchmal bedeutet das, auf einen Schnappschuss verzichten zu müssen. Tauche nur an Orten, die sicher sind und für die du zertifiziert bist. Aber auch dann ist es wichtig, gut getrimmt zu sein – so vermeidest du Schäden und wirbelst so wenig Sediment wie möglich auf.

Tipp 4: Verstehe, wie Licht unter Wasser wirkt

In flachem Wasser ist oft zu viel Licht, in tiefem Wasser zu wenig. Mit Licht unter Wasser zu arbeiten ist eine eigene Disziplin und deutlich schwieriger als über Wasser. Für tiefere Tauchgänge solltest du gute Videoleuchten mitbringen. Diese erzeugen ein diffuses, gestreutes Licht anstatt eines Spotlichts. Tiefer als etwa sechs Meter ist Rot ohne Leuchten weder sichtbar noch auf der Aufnahme zu erkennen. In noch größerer Tiefe verschwinden weitere Farben, bis schließlich nur noch Blau oder Grün übrig bleibt, wie du auf Duikeninformatie nachlesen kannst.

Leuchten sind unverzichtbar, verlieren aber bei Motiven, die weiter als fünf Meter entfernt sind, an Wirkung. Zwei Leuchten sind besser als eine, weil du dann die Schwebeteilchen im Wasser nicht von vorne beleuchtest. Übe außerdem den (manuellen) Weißabgleich an deiner Kamera. Ein automatischer Weißabgleich führt oft zu einem Farbverlauf zwischen den Einstellungen während eines Tauchgangs. Ist die Abweichung zu groß, lässt sie sich in der Nachbearbeitung nur schwer korrigieren.

Tipp 5: Wähle eine Kamera mit gutem Autofokus

Unter Wasser filmst du meistens aus der Hand. Beim dynamischen Filmen (während des Schwimmens) bleibt dann oft keine Hand für den manuellen Fokus frei. Die meisten Videokameras liefern auch bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen eine gute Autofokus-Leistung. Achte darauf, dass der Fokus auf die Bildmitte ausgerichtet ist. Der Autofokus von DSLRs und älteren spiegellosen Kameras funktioniert bei Dunkelheit nicht immer zuverlässig.

In diesem Fall kannst du manuell fokussieren, was jedoch die Dynamik und den Bedienkomfort einschränkt – besonders wenn du noch nicht lange filmst. Frage daher unbedingt beim Händler oder Kundendienst nach, welche Kamera einen besonders guten Autofokus bietet!

Tipp 6: Sorge dafür, dass du klar siehst, was du filmst

Früher gab es keine Monitore. Unterwasserfilmen wurde mit einem Sucher durchgeführt. Auf diese Weise entstanden die schönsten Aufnahmen. Wir sind der Meinung, dass ein guter Monitor dir sehr viel Freude und Komfort bietet – besonders beim Filmen mit manuellem Fokus. „What you see is what you get“ gilt unter Wasser genauso. Je technisch genauer das Bildmaterial ist (Belichtung, Farbe, Schärfe), desto angenehmer wird der Schnitt.

Tipp 7: Probiere einen aufregenden Bildaufbau aus

Der Großteil der Unterwasseraufnahmen, die wir sehen, besteht aus verwackelten Verfolgungsfahrten hinter einem Fisch her. Versuche, deine Einstellungen abwechslungsreicher zu gestalten, indem du zum Beispiel einen Fisch ins Bild schwimmen lässt, anstatt ihm zu folgen, oder indem du Fische hinter dem Schilf filmst (nicht davor). Du kannst auch mit der Perspektive eines Tieres experimentieren. Beende deine Einstellungen bewusst. Lass Tiere manchmal aus dem Bild schwimmen oder laufen, und lass die Kamera noch einen Moment laufen. Eine Staubwolke zum Beispiel kann manchmal Wunder wirken.

Tipp 8: Denke in Geschichten

Geh nicht hundertmal auf dieselbe Traumaufnahme aus, sondern variiere die Einstellungen so viel wie möglich.

Am Schnittplatz profitierst du viel mehr von Abwechslung. Du kannst dann eine schöne Sequenz erstellen, in der Totalen, Halbnahen und Nahaufnahmen abwechseln.

Wenn du den Zuschauenden fesseln möchtest, musst du eine Geschichte erzählen. Das beginnt häufig mit der Variation der Bilder zu einem bestimmten Thema.

Hast du mehrere Objektive? Dann mache drei kürzere Tauchgänge und wechsle zwischendurch das Objektiv. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Kurzfilm ‘Birth of a shorthorn sculpin’, Gewinner des North Sea Film Festival 2012.

Tipp 9: Sei selbstkritisch und hol dir Feedback!

Um Geschichten erzählen zu können, braucht man viel Geduld. Auch wir haben noch Tage, an denen nichts klappt. Manchmal liegt es an den Umständen, manchmal an uns selbst. Es hilft, wenn du mit einem klaren Ziel vor Augen losgehst.

Es ist wichtig, dein Bildmaterial nach jedem Tauchtag sehr kritisch zu sichten. Es hilft außerdem, andere um Feedback zu bitten.

Erstelle optional kurze Geschichten, um das Sequenzieren zu üben. Die Open Dutch Championship Underwater Photography and Videography ist ein Anreiz, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Beispiele für preisgekrönte Filme sind ‘Ik duik niet meer’ und ‘Broederliefde’. Wir sind seit vielen Jahren Jurymitglieder und genießen es, die Videos zu bewerten.

Wer sind Peter van Rodijnen und Klaudie Bartelink von Dutch Maritime Productions?

Wir sind Unterwasserfilmende und erzählen Geschichten über die Unterwasserwelt. Für viele ist sie eine geheimnisvolle Welt – für uns ist sie eine Welt, die wir in- und auswendig kennen. Wir tauchen seit Jahren und haben noch immer eine unerschöpfliche Leidenschaft dafür. Mit großer Sorgfalt und Achtsamkeit gegenüber Mensch und Natur. Nirgendwo kommt man wilden Tieren so nah wie unter Wasser. Das macht das Unterwasserfilmen so faszinierend!

Qualität und Fachkompetenz haben für uns höchste Priorität. Wir investieren kontinuierlich in das notwendige Wissen, Zertifizierungen und die richtige Ausrüstung. Um die Extrameile für das gewünschte Ergebnis zu gehen: eine Geschichte, die Wirkung hat! Wir möchten einen wertvollen Beitrag zu unserem blauen Planeten leisten. Unser Motto lautet: „You can’t discover the sea by staring at the water.“ Dies haben wir im Kinofilm ‘Holland, natuur in de delta’ unter Beweis gestellt.

Unterwasserfilmen ist eine anspruchsvolle Arbeit. Bei jedem Tauchgang muss man sorgfältig die richtige Ausrüstung und die Kameraeinstellungen abwägen. Außerdem müssen Farbe und Sichtweite des Wassers, Tiefe, Strömung und Sonneneinstrahlung berücksichtigt werden. Beim Tieftauchen kommt Tiefenrausch hinzu, und das eigene Gehirn spielt nicht immer mit. All diese Faktoren machen unsere Arbeit interessant. Unsere Arbeit ist spezialisiert – es gibt keine formale Ausbildung dafür. Wir haben uns durch Erfahrung weitergebildet. Weitere Informationen (und Filmaufnahmen) findest du bei Dutch Maritime Productions und Onderwaterbeelden.

Neugierig auf weitere Unterwassertipps? Lies diese 10 spritzigen Tipps für Unterwasserfotografie!