What is diffraction

Was ist Beugung?

Janine van der Kooij - Vink

Was ist Beugung?

Beugung ist das Phänomen, bei dem Licht abgelenkt wird, wenn es an einer scharfen Kante oder einer engen Öffnung vorbeibewegt – zum Beispiel am Blendenwert deines Objektivs. Diese Ablenkung sorgt dafür, dass sich das Licht etwas anders verhält, als man erwarten würde, was die Schärfe deines Bildes beeinflussen kann.

Um zu verstehen, was genau passiert, hilft es, sich die Grundprinzipien des Lichts anzusehen. Licht verhält sich nicht nur wie die bekannten geraden Strahlen, sondern auch wie Wellen. Und Wellen haben die Eigenschaft, dass sie sich biegen können, vor allem wenn sie durch eine kleine Öffnung hindurchgehen. Denk an Wasserwellen, die zwischen Pfählen hindurchkommen und auf der anderen Seite auffächern. Genauso funktioniert es mit Lichtwellen, die durch eine kleine Blende müssen: Sie beugen sich ab, und diese Abweichung verursacht kleine Streuungen oder Interferenzen, die du als leichten Schärfeverlust wahrnimmst.

Wann entsteht Beugung?

In der Fotografie tritt Beugung merklich auf, wenn du eine kleine Blendenöffnung verwendest, zum Beispiel f/16 oder kleiner. Obwohl du bei einer so kleinen Blende mehr Schärfentiefe bekommst, wird die Auflösung nicht zwingend besser. Im Gegenteil: Die Lichtwellen, die durch diese winzige Öffnung müssen, beugen sich und überlagern sich in Mustern. Dieses nennen wir ein Beugungsmuster. Das Ergebnis ist, dass feine Details in deinem Foto etwas weniger scharf wirken können, vor allem wenn du mit hochauflösenden Kameras arbeitest, bei denen jedes Detail zählt.

Eine gute Möglichkeit, Beugung zu visualisieren, ist die Vorstellung eines Lichtstrahls, der durch einen schmalen Spalt fällt und anschließend ein Muster aus hellen und dunklen Ringen erzeugt. Das zeigt sich in der charakteristischen „Weichheit", die bei kleineren Blenden entstehen kann. Es ist ein natürliches Phänomen, das du nicht vollständig vermeiden, aber wohl kontrollieren kannst – zum Beispiel, indem du etwas größere Blenden wie f/8 oder f/11 wählst, bei denen du oft ein schönes Gleichgewicht zwischen Schärfentiefe und Bildqualität findest.

Durch das Verstehen von Beugung lernst du, bewusster mit deiner Blendenwahl umzugehen. So holst du das Maximum aus deiner Ausrüstung heraus, egal ob du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fotografierst.

Diffraction example

Welchen Einfluss hat Beugung auf die Bildqualität?

Obwohl eine kleinere Blende auf den ersten Blick mehr Schärfentiefe liefert, kann sie auch zu einem sichtbar weicheren Bild führen. Das wird auch als „Image Softening" bezeichnet: Schärfe und feine Details werden weniger klar.

Beugung beeinflusst vor allem die Auflösung deines Fotos. Selbst mit einer Kamera mit vielen Megapixeln kann zu viel Beugung dazu führen, dass Details verloren gehen, als wäre dein Bild nicht ganz scharf fokussiert. Das liegt also nicht an deiner Fokussierung oder Objektivqualität, sondern schlicht an den physikalischen Grenzen des Lichts. Besonders Landschaftsfotograf:innen oder Fotograf:innen, die häufig mit kleinen Blenden arbeiten, bemerken diesen Effekt.

Ein gutes Beispiel? Fotografiere ein Motiv sowohl mit f/5.6 als auch mit f/22 und vergleiche die Bilder bei 100 % Ansicht. Bei f/5.6 siehst du die feinen Details oft messerscharf. Bei f/22 wirken dieselben Details etwas weicher, als ob ein leichter Schleier über das Bild gelegt wurde. Die Schärfe ist zwar gleichmäßiger über das gesamte Bild verteilt, aber die Auflösung leidet dennoch darunter.

Kurz gesagt: Jede Blende hat ihren eigenen Charakter. Willst du maximale Schärfe und Detailerhalt? Dann liegt die ideale Blende oft zwischen f/5.6 und f/11, je nach Objektiv. Das ist der sogenannte „Sweet Spot", bei dem du sowohl wenig Beugung als auch ausreichend Schärfentiefe hast.

Wie erkennst und misst du Beugung?

Woran erkennst du genau, ob Beugung das Problem ist und nicht ein anderer Faktor wie Bewegungsunschärfe oder eine geringere Objektivqualität? Es gibt einige klare Anzeichen und praktische Möglichkeiten, Beugung zu erkennen und sogar zu messen.

Das Erkennen und Verstehen von Beugung gibt dir die Möglichkeit, beim Fotografieren bewusstere Entscheidungen zu treffen. So holst du das Maximum aus deinem Objektiv heraus und weißt, wann du die Blende schließen solltest und wann nicht.

Visual symptoms of diffraction

1. Visuelle Symptome

Eines der deutlichsten Anzeichen für Beugung ist ein allgemeiner Schärfeverlust, selbst wenn deine Kamera perfekt fokussiert ist. Vor allem beim Fotografieren mit einer kleinen Blende, zum Beispiel f/16 oder f/22, fällt auf, dass feine Details – wie Grashalme, Haare oder Textur in Steinen – weniger brillant wirken. Alles wirkt ein wenig weicher, als ob eine leicht verschwommene Schicht über dein Bild gelegt wurde. Besonders bei Landschaftsfotos oder Makroaufnahmen, bei denen du bewusst mit einer kleinen Blende für maximale Schärfentiefe arbeitest, lässt sich das gut beobachten.

Testing for diffraction

2. Praxistipps zur Identifizierung von Beugung

Willst du sichergehen, ob Beugung die Schärfe beeinflusst, ist ein einfacher Test draußen oder im Studio oft schon aufschlussreich. Stelle deine Kamera auf ein Stativ und fotografiere genau dasselbe Motiv bei verschiedenen Blendeneinstellungen – von weit offen (z.B. f/2.8) bis ganz geschlossen (z.B. f/22). Vergleiche die Bilder bei 100 % in deinem Bildbearbeitungsprogramm. Siehst du, dass die Schärfe ab einer bestimmten Blende abnimmt, während der Fokusabstand und die übrigen Einstellungen identisch geblieben sind? Dann hast du es wahrscheinlich mit Beugung zu tun.

Measuring lens sharpness

3. Ausrüstung für Messungen

Für alle, die es noch genauer angehen möchten, stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Dazu gehören Softwareprogramme zur Schärfeanalyse, mit denen du die Bildschärfe objektiv messen kannst. Auch Profi-Fotograf:innen nutzen sogenannte MTF-Tests (Modulation Transfer Function), bei denen geprüft wird, wie gut ein Objektiv feine Details bei verschiedenen Blenden wiedergeben kann. Obwohl das recht technisch ist, können solche Analysen wertvolle Erkenntnisse liefern, wenn du das Maximum aus deiner Ausrüstung herausholen möchtest.

Wie vermeidest du Beugung?

Beugung ist etwas, mit dem jede:r Fotograf:in früher oder später konfrontiert wird. Sie entsteht, wenn Lichtstrahlen bei einer kleinen Blende an den Blendenrändern abgelenkt werden, wodurch deine Fotos weniger scharf werden. Besonders in der Landschaftsfotografie, wo du häufig eine kleine Öffnung (wie f/16 oder f/22) für ausreichend Schärfentiefe verwendest, kann das unbemerkt auftreten. Zum Glück kannst du etwas dagegen tun. Es beginnt alles damit, deine Blende richtig abzustimmen und dein Kamerasystem zu verstehen.

Der ideale Blendenwert unterscheidet sich je nach Kameratyp. Bei Vollformatkameras liegt der sogenannte „Sweet Spot" – der Punkt, an dem dein Objektiv am schärfsten abbildet – oft zwischen f/8 und f/11. Damit behältst du viel Schärfe, ohne dass Beugung das Ergebnis beeinträchtigt. Arbeitest du mit einer APS-C-Kamera, fotografierst du in der Regel am besten zwischen f/5.6 und f/8. Bei Micro-Four-Thirds-Systemen mit kleinerem Sensor liegt dieser Bereich eher bei f/4 bis f/5.6. Gehst du darüber hinaus, kann Beugung bereits früher sichtbar werden.

Diffraction in photography

Tipps für scharfe Fotos

Möchtest du trotzdem mehr Schärfentiefe ohne Beugung? Dann kannst du kreativ mit anderen Einstellungen umgehen. Nutze zum Beispiel Focus Stacking, bei dem du mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten zu einem einzigen scharfen Foto kombinierst. Ein stabiles Stativ und eine Fernauslösung helfen ebenfalls, Bewegungsunschärfe zu vermeiden, damit du die Blende nicht zu weit schließen musst, um zusätzliche Schärfe zu erzielen.

Experimentiere mit deinem System, um das perfekte Gleichgewicht zwischen Schärfe und Tiefe zu finden. Nimm dir die Zeit, deine Blendenwahl bewusst zu treffen. Den Unterschied erkennst du in jedem Detail deines Fotos.