Concert photography with Eva Ruiten

Konzertfotografie: Ein Leitfaden für die Eventfotografie

Kamera Express

Konzertfotografie mit Eva Ruiten

Wer ist Eva?

Jeden Monat stellen wir eine Mitarbeiter:in von Kamera Express vor, die gleichzeitig als Fotograf:in tätig ist. Davon gibt es viele! Eva Ruiten (20) ist eine davon: Sie arbeitet in der Kundendienstabteilung. Sie weiß alles über Fotografie und beantwortet die Fragen der Kund:innen mit Begeisterung. In der Konzertszene und in der Fotograf:innen-Welt kennen die Leute sie als Eva Captures. Ihr Instagram-Account lautet entsprechend @evacaptures.

An Wochenenden und Abenden findest du Eva vor, hinter und neben der Bühne, mit dem Objektiv auf den Künstler oder das Publikum gerichtet. Ihre größte Leidenschaft ist die Konzertfotografie. Sie arbeitet für Künstler:innen und Veranstaltungsorte und realisiert freie Projekte. Höchste Zeit, Eva ein wenig besser kennenzulernen und mehr über ihre Arbeitsweise, ihre Träume, ihre Ziele, ihre Ideen und ihre schönsten Momente zu erfahren. Capture the moment!

Wie bist du in die Welt der Konzertfotografie geraten?

„Es begann alles im Februar vor zwei Jahren. Ich musste für mein Studium Stillleben und Porträts machen, aber das hat mich wenig begeistert. Musik ist schon mein ganzes Leben lang meine größte Leidenschaft. Ich bin Fan vieler Popgruppen und durfte als Kind mit meiner Mutter zu Konzerten gehen.

Wenn ich zwischen Musik und Fotografie wählen müsste, würde ich mich für die Musik entscheiden. Ich könnte nicht ohne. Sie bedeutet mir alles. Musik ist gleichzeitig Inspirationsquelle und Ventil. Inzwischen finde ich Jack and Jack und 5 Seconds of Summer absolut großartig. Live-Konzerte sind auch immer toll. Ich werde sehr glücklich, wenn ich Künstler:innen beim Genießen sehe, wenn das Publikum begeistert ist, und ich selbst kann völlig ausrasten. Dann tanze und singe ich ausgelassen. Es ist mir egal, was andere davon denken.

Ich hatte schon eine Weile Fotografie für mein Grafikdesign-Studium gemacht, als mir klar wurde, dass ich diese Musikleidenschaft mit meiner Fotografie verbinden konnte. Ich fasste mir ein Herz und schrieb das Management von Jacob Whitesides an, ob ich ein Konzert fotografieren dürfte. Zum Glück gaben sie mir grünes Licht.

Dieses erste Konzert war wirklich ein Probelauf. Ich war überhaupt nicht zufrieden mit den Fotos, weil die Einstellungen nicht stimmten, aber meine Anwesenheit brachte etwas Wichtigeres: die Entdeckung, dass das genau das ist, was ich tun musste! Als ich später für die Schule einen Praktikumsplatz suchen musste, habe ich die Online-Konzertplattform Podiuminfo angefragt. Dort durfte ich schön viele Konzerte fotografieren. Manchmal waren es 3 bis 5. Dadurch, dass ich viel produzierte, lernte ich viel. Außerdem lernte ich flexibel zu sein, denn ich arbeitete immer wieder in anderen Veranstaltungsorten."

Woran erkennst du ein Konzertfoto von Eva Captures?

„Das ist meistens ein Foto mit viel Farbe. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass das mein Stil ist: Ich nutze immer gerne die Visuals und das Licht. Ich investiere auch viel Zeit und Sorgfalt in die Nachbearbeitung. Außerdem versuche ich, die Momente einzufangen, in denen der/die Künstler:in wirklich genießt. Bei der Platzierung von Fotos auf einer Website wie Podiuminfo denke ich durchaus über die Wirkung des Gesamtbildes nach. Mal wähle ich ein ruhiges Bild zu einem Text, der in dieser Stimmung geschrieben ist, ein anderes Mal entscheide ich mich bewusst für einen Kontrast, indem ich ein energiegeladenes Foto platziere."

Was möchtest du mit deinen Fotos vermitteln?

„Die Leidenschaft des Künstlers / der Künstlerin! Ich hoffe auch aufrichtig, dass Menschen nach dem Ansehen meiner Fotos begeistert werden und neue Musikstile entdecken. Außerdem weiß ich, wie sich das Publikum fühlt. Ich finde es großartig, die breiten Lächeln von Fans bei Konzerten einzufangen. Diese Aufregung bringe ich gerne ins Bild. Ich weiß, dass ein Like von einem Künstler auf Instagram sich gut anfühlt und dass ein Moment des Kontakts bei einem Konzert noch fantastischer ist."

Wie hast du dir alle Kameratechniken angeeignet?

„Vor allem bei Podiuminfo, weil ich dort viel ausprobieren durfte. Und ganz allgemein: Man lernt am meisten, indem man es einfach versucht. Manchmal fragen mich Leute über Instagram um Tipps, zum Beispiel nach den Einstellungen, die ich bei Konzerten verwende. Aber dafür gibt es nicht den einen Tipp. Das ist etwas Persönliches. Es geht vor allem darum, auszuprobieren, bis du mit dem Ergebnis zufrieden bist. Ich finde es wichtig, dass du deine Kamera in- und auswendig kennst. Dafür brauchst du nicht unbedingt eine Ausbildung. Du kommst am weitesten mit viel Motivation, Selbstvertrauen und Neugier."

Worin möchtest du dich noch weiterentwickeln?

„Mein Hauptfokus liegt momentan bei Konzerten. Ich würde aber gerne mehr Porträts machen. Ich finde es interessant, verschiedene Seiten eines Künstlers / einer Künstlerin zu zeigen: wie jemand auf der Bühne ist und wie jemand vor und nach der Show ist, ohne Scheinwerfer. Ich möchte eine Serie starten, mit Porträts vor der Show und Porträts nach der Show."

Du arbeitest mit Roxeanne Hazes zusammen…

„Ich kam mit ihr in Kontakt, als ich für mein Studium eine bekannte Persönlichkeit suchte, die ich fotografieren durfte. Ich hatte eine Show von Roxeanne Hazes in Rotterdam fotografiert. Ich stellte ein Foto auf Instagram und Roxeanne likete diesen Beitrag. Sie fand es ein tolles Foto. Ich fragte sie, ob ich sie backstage und on stage fotografieren dürfte. Darüber war sie begeistert. Meine Abschlussausstellung für mein Studium handelte schließlich von Roxeanne und wir arbeiten noch immer zusammen." Eva lacht: „Schön, oder? Wir kennen uns inzwischen gut und reden auch nach der Show. Manchmal erzählt Roxeanne dann, was schiefgelaufen ist, irgendetwas Technisches, und ich habe das überhaupt nicht bemerkt, weil sie so ausgelassen und begeistert auftrat."

- Roxeanne Hazes: „Eva ist eine Fliege an der Wand, mit Bildern, die tief gehen und intensiv sind"

Was ist schön an eurer Zusammenarbeit?

„Wir haben eine gute Verbindung. Ich möchte, wenn ich backstage unterwegs bin, dem/der Künstler:in nicht im Weg stehen. Ich passe mich an und gehe in der Atmosphäre auf. Wenn jemand sich aufheizt und sich auf die Show vorbereitet, bin ich auch fröhlich und mache mit. Wenn jemand in sich gekehrt ist, versuche ich Ruhe auszustrahlen. Roxeanne sagt, sie findet mich wie eine Fliege an der Wand, aber mit Bildern, die tief gehen und intensiv sind. Das empfinde ich als großes Kompliment!"

Ab und zu mutig sein, um etwas zu erreichen. Hast du dafür ein Beispiel?

„Jack and Jack waren von Ende Februar bis Ende März auf Europatournee. Ihre erste Show war in Amsterdam. Ich wollte gerne mit Podiuminfo rein, kam aber nicht hinein. Brüssel oder Paris? Das klappte auch nicht. Nach langem Drängen durfte ich in Großbritannien Fotos machen. Das gab einen Kick! Ich war die einzige Fotograf:in, die hineingelassen wurde, neben dem festen Videografen. Beim Meet and Greet erzählte ich der Band, dass ich Fotos machen durfte – die fanden das cool. Beim Konzert sahen sie mich stehen, winkten und reagierten sehr begeistert. Ich sah wohl auch superhappy aus, haha, ich strahlte hinter meiner Kamera. Nachdem ich mein Material hatte, legte ich die Kamera weg und tanzte ausgiebig zu ihrer Musik. Herrlich! Das vergesse ich nie.

Nach der Show traf ich die Gruppe erneut. Ich hatte ein Foto auf Instagram gestellt. Jack Johnson hatte dieses Foto geliket. Wir sprachen miteinander über das Bild und das Konzert. Das war ein goldener Moment für mich."

Eva denkt kurz nach und sagt dann: „Wenn du nicht für dich eintrittst, kommst du nirgendwo hin. Gerade als Frau ist es wichtig, dass du den Mut hast. In der Musikwelt und der Konzertfotografie-Welt sind doch viele Männer. Ich lasse mich nicht einschüchtern. Auch nicht, wenn ich bei Konzerten nach vorne gehe und Männer mich aufdringlich berühren. Dann sage ich sofort klar Nein. Ich frage sie, warum sie glauben, das Recht dazu zu haben. Wenn ich es nicht tue, tut es niemand. Es muss angesprochen werden können und die Menschen müssen verstehen, wo die Grenze zwischen ‚okay' und ‚absolut nicht okay' liegt.

„Bei Jack and Jack strahlte ich hinter meiner Kamera. Nachdem ich mein Material hatte, legte ich die Kamera weg und tanzte ausgiebig zu ihrer Musik."

Welche Konzertfotograf:innen findest du selbst gut?

„Die Fotograf:in Own The Light. Ihr echter Name ist Vitaly. Ich folge ihr schon sehr lange. Sie ist aufrichtig und nett. Ich schaue gerne auf ihre Arbeit. Sie hat wirklich einen eigenen Stil. Es ist interessant zu sehen, wie sie wächst."

Wie schaffst du es, backstage reinzukommen?

„Das ist nicht immer einfach. Viele Künstler:innen haben feste Fotograf:innen. Es ist hilfreich, wenn du Beziehungen in der Konzertfotografie-Welt aufbaust. Ich bin nicht so das bewusste Netzwerken, aber ich bin spontan. Ich komme leicht mit jemandem ins Gespräch."

Wie sicherst du dir den perfekten Foto-Spot?

„Wenn es eine Fotogrube gibt, stehe ich dort. Ansonsten sorge ich dafür, so früh wie möglich da zu sein. Ich versuche dann ganz vorne zu stehen. Wenn ich nicht sehr früh kommen kann und im Publikum stehen muss, versuche ich mich so weit wie möglich durch die Menge zu drängen, um trotzdem einen guten Platz zu haben. Ich versuche, so gut wie möglich Freundschaften mit den Menschen um mich herum zu schließen. Dann gönnen sie dir zumindest etwas. Wenn sie fragen, für wen ich Fotos mache, gebe ich ihnen meistens meinen Instagram-Account. Das finden die Leute cool."

Wie wichtig ist Instagram?

„Extrem wichtig! Ich habe eine Website, weil das professionell aussieht und einen guten Überblick bietet, aber Follower:innen und Aufträge bekomme ich über Instagram. Ich tagge Künstler:innen in Konzertfotos, darauf reagieren sie oft. Das Gleiche mache ich auf Twitter: auch dort bekomme ich genug Reaktionen. Außerdem schicke ich regelmäßig DM-Nachrichten an Künstler:innen. Das bringt nicht immer etwas, aber man weiß ja nie. Schau dir Roxeanne an. Auch bei Secret Rendez-Vous wurde ich auf diese Weise Stamm-Fotograf:in. Inzwischen laufen auch einige tolle Kontakte. Mein Motto ist: Nein hast du, Ja kannst du bekommen."

Was ist dein Ansatz bei Bandfotografien?

Eva lächelt. „Was sage ich dann nochmal? Ach ja, meistens sage ich so etwas wie: Man muss einfach ein bisschen ‚sein'. Ich möchte es vor allem locker halten, mit Musik dabei in einer guten Atmosphäre. Ich bin nicht der Typ für Posieren. Hier und da bringe ich kleine Korrekturen an, wenn jemand nicht in die Kamera schaut oder nicht gerade steht. Ansonsten überlasse ich es der Band. Es muss eine Kombination sein aus dem, was die Band möchte, und dem, was ich möchte. Ein Bandfoto spiegelt wider, wer die Band ist, aber sie haben mich ja auch nicht ohne Grund gewählt. Mein Stil darf ruhig durchkommen."

Wovon träumst du noch?

„Ich habe eine lange Bucketlist, aber die teile ich lieber nicht. Es ist wie beim Aussprechen eines Wunsches, weißt du? Sobald du es laut sagst, geht es nicht in Erfüllung. Also behalte ich es erst mal für mich. Was ich schon verraten kann, ist, dass ich diese Vor-und-Nach-Show-Serie von Künstler:innen wirklich machen möchte. Außerdem würde ich gerne einmal mit einem Künstler / einer Künstlerin auf Tour gehen. Ich wurde neulich von einem Musiker gefragt, konnte aber nicht. Nächstes Mal klappt es? Ich schicke hier und dort ein paar E-Mails und halte euch auf dem Laufenden, wenn es soweit ist.

Es wäre auch toll, wenn ich irgendwann von meiner Arbeit als Konzertfotograf:in leben könnte, aber ich bin nüchtern genug, um zu wissen, dass das vorerst nicht realistisch ist. Ich habe Fibromyalgie und muss zwischendurch auch Ruhe einplanen. Besonders nach einer Tournee wäre das wichtig.

Wir sehen es einfach. Ich habe keinen festen Plan. Ich plane die Zukunft nicht. Ich bin selbst sehr gespannt, wo ich in fünf Jahren stehe."